BlackRock und Altersvorsorge

Kennen Sie BlackRock? – Nein? – Sollten Sie aber!

Die Firma BlackRock ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Das Unternehmen verwaltet das Vermögen ihrer Kundinnen und Kunden mit einem Gesamtwert von 6,3 Billionen US-Dollar. BlackRock gilt im Finanzsektor als eines der einflussreichsten Unternehmen und ist bei vielen großen Aktiengesellschaften als Großaktionär vertreten. Andere Börsenmanager halten das Unternehmen BlackRock daher für extrem gefährlich, es wird in vielen Kreisen auch als sogenannte Schattenbank bezeichnet, da Vermögensverwalter nicht den Regeln traditioneller Banken unterliegen.

Die Doppelmoral der Elite

Inzwischen hat BlackRock 78 Standorte in über 30 Ländern, 35 davon in Nordamerika und 23 in Europa. Die deutschen Standorte sind Frankfurt und München, ein weiterer wichtiger Standort für Lobbyarbeit ist Brüssel. BlackRock beriet laut eigenen Angaben bereits AIG, die griechische und irische Zentralbank, die Federal Reserve Bank of New York, das britische Finanzministerium und UBS, ist jedoch in Kontakt mit weitaus mehr Finanzinstituten wie der EZB oder der Deutschen Bank, bei der BlackRock gleichzeitig Großaktionär ist.

Laut EU-Lobbyregister ist BlackRock inzwischen eines der Unternehmen mit den meisten Treffen ihrer Lobbyisten und Lobbyistinnen mit EU-Vertretungen, und hat in Europa ein riesiges Netzwerk aufgebaut, um seine Ziele durchzusetzen. Vor allem in Brüssel.

2017 sprach der Gründer und Chef des Konzerns, Larry Fink, in der Deutschen Börse in Frankfurt. Er sagte, die Deutschen seien bei ihrer Altersvorsorge übermäßig von den staatlichen Renten abhängig und auf Dauer nicht tragfähig.

Arbeitnehmer müssten dazu motiviert werden, am Aktienmarkt zu investieren, damit sie an Kapitalgewinnen beteiligt werden. Die gesetzliche Rentengarantie sei zu beschränkt – nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Europäische Sparer hätten zu wenig Ahnung, wie man Geld gewinnbringend investiert und für die Zukunft plant. Das wolle er ändern, sagte Fink. Fink forderte damit die politische Zustimmung von der gesamten EU für seine Strategie.

Kurz nach dieser Rede verzehnfachte BlackRock seine Ausgaben für EU-Lobbying von 150.000 auf 1,5 Millionen Euro pro Jahr.

Kaum ein halbes Jahr später wurde in Brüssel vom Vizepräsident der EU-Kommission, der für die Regulierung der Finanzmärkte zuständig ist, ein Gesetzentwurf für ein „europaweites privates Altersvorsorgeprodukt“ vorgelegt. Gewinngarantien waren jedoch darin nicht enthalten, lediglich ein „Qualitätssiegel“, mit dem Finanzkonzerne in allen EU-Staaten gleichzeitig ihre Rentenfonds verkaufen können.

Das Ziel ist klar: Europas Sparer sollen in die Rentenfonds des Finanzkonzerns investieren. Erste Erfolge gab es für BlackRock in Großbritannien. 2014 kam es dort zu einer Rentenreform. Sparer von staatlichen und betrieblichen Rentenfonds konnten sich nun ihre Rente in einer Summe, anstatt in Raten, auszahlen lassen und diese selbst anlegen.

Das europäische Altersvorsorgeprodukt von BlackRock wird dennoch keine Lösung für Europas Rentenproblem sein, sondern vielmehr die Gewinne des Konzerns weiter optimieren. Denn gerade jene Arbeitnehmer, denen wegen der Kürzungen von staatlichen Zahlungen Altersarmut droht, haben nicht genug Einkommen, um solche Fondsanteile zu kaufen.

Mit diesem Finanz-Coaching kann jeder zu Wohlstand und finanzieller Sicherheit kommen.

Die Lobby-Arbeit von BlackRock dürfte dennoch fruchten. Denn der EU-Kommission geht es um die Öffnung eines neuen Marktes für die Finanzindustrie.

Ihr Experte für Geld und Kapitalanlagen

Uwe Hammerschmidt