Wenn der Ruhestand zum Albtraum wird

Sie arbeiten 40 Stunden die Woche, und das 40 Jahre lang, um dann mit 40 Prozent Ihres Einkommens den Rest Ihres Lebens zu verbringen.

Unsere sogenannte „Babyboomer Generation“, die heute 55- bis 64-Jährigen, stehen kurz vor dem Renteneintritt. Diese Menschen sollten sich eigentlich freuen, sind sie doch die letzte Generation Rentner, die den Lebensabend mit einer relativ „normalen“ Rentenzahlung bestreiten werden.

Doch der Schein trügt. 56 Prozent dieser Altersgruppe erwarten laut Ergebnis des Axa-Deutschland-Reports zufolge im Ruhestand eine verschlechterte Lebensqualität, fast niemand (zwei Prozent) eine Verbesserung. 63 Prozent macht das Thema Altersvorsorge heute mehr Angst als früher, 78 Prozent haben das Vertrauen in die Politik beim Thema Altersvorsorge verloren.

Die Doppelmoral der Elite

„Moment mal!“, werden Sie jetzt sagen. Laut Prognose der Deutschen Rentenversicherung braucht sich doch keiner Sorgen machen.

Tatsächlich geht die aktuellste Prognose der Deutschen Rentenversicherung von einem stabilen Rentenversicherungsbeitrag in Höhe von 18,6 Prozent bis zum Jahr 2022 aus. Auch das Rentenniveau ändert sich nicht, kann zwischenzeitlich sogar um 0,1 Prozentpunkte zulegen. Gleichzeitig werden sich Rentner voraussichtlich über satte Rentenerhöhungen freuen können. Die Rentenanpassung wird in den nächsten Jahren jeweils zwischen 2,64 Prozent und 3,72 Prozent liegen. Dabei werden die Renten der ostdeutschen Senioren durch die schrittweise Rentenangleichung stärker angepasst.

Doch ein Punkt trübt diese positive Prognose – die Nachhaltigkeitsrücklage. Diese wird laut der Berechnung von derzeit rund 33 Milliarden Euro auf etwa 19,4 Milliarden Euro sinken. Die Reserven der Rentenversicherung schrumpfen.

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Die Nachhaltigkeitsrücklage dient dazu, Beitragsschwankungen abzufangen, die beispielsweise entstehen können, wenn die Beschäftigung saisonbedingt zurückgeht oder die Konjunktur schwächelt. Sie muss mindestens 0,2 Monatsausgaben der Rentenversicherung abdecken können. Drohen die Reserven unter diesen Wert zu fallen, muss beispielsweise mit höheren Rentenversicherungsbeiträgen oder Rentenkürzungen gegengesteuert werden. Steigen die Reserven hingegen über 1,5 Monatsausgaben, können Beitragszahler durch niedrigere Rentenversicherungsbeiträge entlastet werden. Die Nachhaltigkeitsrücklage wird bis 2022 auf 0,77 Monatsausgaben schrumpfen, während sie 2014 noch bei 1,9 lag.

Dies ist die Folge unseres demographischen Wandels: Unser Rentenversicherungssystem basiert auf dem sogenannten Generationenvertrag. Das heißt, dass die berufstätigen Beitragszahler in die Rentenkasse einzahlen, damit aber nicht ihre eigene spätere Rente finanzieren, sondern die Rentenleistungen der jetzigen Senioren. Im Gegenzug sollen zukünftige Generationen von Beitragszahlern dann für ihren Ruhestand einzahlen. Dieses Umlageverfahren wurde in Deutschland 1957 eingeführt und hat bis zum Jahr 1968 die kapitalgedeckte Finanzierung vollständig abgelöst. Sie besteht in dieser Form bis heute. Das Problem: In den 50er- und 60er-Jahren war die Altersstruktur der Bevölkerung noch grundlegend anders.

Die Geburtenrate war höher und weniger junge Menschen studierten, standen also dem Arbeitsmarkt früher zur Verfügung. Darüber hinaus gab es weniger ältere Menschen und die Lebenserwartung war niedriger. Das heißt: Mehr Menschen zahlten in die Rentenkasse ein, während weniger Menschen Rentenleistungen beanspruchten und das im Schnitt auch wesentlich kürzer als heutzutage. Dieses Verhältnis hat sich in den letzten Jahren jedoch deutlich verschoben. Medizinische Fortschritte und Friedenszeiten haben die Lebenserwartung erhöht. Die Zahl der Studenten hat sich in den letzten 50 Jahren etwa versiebenfacht. Und die Geburtenrate ist zwischen 1965 und 2015 von 2,5 auf 1,5 Kinder pro Frau gesunken.

Die geburtenstarken Jahrgänge, also die „Babyboomer“, werden in den nächsten Jahren in Rente gehen, während die aktuelle Generation der Auszubildenden und Studierenden aus den besonders geburtenschwachen Jahren der Nachwendezeit stammen. Das Umlageverfahren kann bei dieser Entwicklung auf Dauer nicht mehr ohne Weiteres funktionieren.

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Warum wir alle betroffen sind:

Wer heute jung ist, wird als Arbeitnehmer in Zukunft noch stärker durch den Rentenversicherungsbeitrag belastet werden. Das betrifft ebenso die Arbeitgeber, die die Einzahlungen in die Rentenkasse zur Hälfte tragen. Denn der Beitrag muss steigen, um die zukünftige Rentnergeneration zu finanzieren. Auch Selbstständige und Beamte, die bisher nicht in die Rentenversicherung einzahlen, könnten zukünftig stärker herangezogen werden – entweder indem sie in die gesetzliche Rentenversicherung überführt werden oder die Rente vermehrt auch über Steuermittel unterstützt wird. Für Rentner könnte es im Gegenzug bei schrumpfenden Reserven und fehlenden Einnahmen zu Nullrunden oder gar Rentenkürzungen kommen.

(Quelle: t-online.de)

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Uwe Hammerschmidt